1912 - 1939

1912

Bis zum Jahre 1912 wurden zahlreiche weitere Stücke aufgeführt. Unter anderem waren dies „Die Bauerschlacht von Sendling“, „Tatzlwurm“,  „Geächet“, „Der Schatzgräber“ und viele andere mehr. Ab dem Jahre 1912 bis zum Ende des 1. Weltkrieges fehlen Hinweise auf einen Spielbetrieb.

1921

Nach dem 1. Weltkrieg formierte sich die Theatergruppe abermals neu. Die Versammlung vom 3. März 1921 beschließt den Verkauf der alten Bühne an die Theatergesellschaft in Vachendorf für 3.700 Mark und die Anschaffung einer neuen Bühne von der Firma Petersen aus Traunstein. 

Der Finanzierungsplan sah folgendermaßen aus:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit den sonstigen Ausgaben und Kosten für die neue Bühne entsteht für 1921 ein Gesamtaufwand von 9.434 Mark und ein Kassendefizit von 829 Mark.

 

Die damaligen Mitglieder Josef Riefer als Vorstand, Franz Dangl als Schriftführer und Kassier sowie die Spieler Josef Gehmacher, Josef Krammer, Franz Gehmacher, Max Speicher, August Zieglmaier und Georg Osenstätter betrachteten diese neue Bühne nach Schuldentilgung als ihr Eigentum. Ein Verlassen der Theatergruppe ohne triftigen Grund war gleichbedeutend mit dem Verlust des Eigentumsanteil an der Bühne.

 

Aus den 5 Aufführungen die 1921 gespielt wurden, konnten Einnahmen erzielt werden, die eine Rückzahlung der Darlehen an Josef Krammer und Sebastian Stitzl sofort möglich machten.

 

Während den Ausuferungen der Inflation im Jahr 1922 waren alle Wertmaßstäbe verschoben. Für die Theatergesellschaft war es aber ein hervorragendes Mittel um alle Schulden abzuschütteln.

Nach der Geldwertstabilisierung im Jahre 1924 war wieder ein ordnungsgemäßes Rechnungswesen möglich. Bei der Christbaumfeier Ende des Jahres erhielten die Spieler einen Betrag von 136 Reichsmark ausbezahlt.

 

1925

Im Jahre 1925 werden die Mitglieder Josef Krammer und Josef Riefer wegen ihrer hervorragenden „theatralischen“ Leistungen zu Ehrenmitgliedern der Theatergesellschaft ernannt.

 

 

50jahrl zruck beim Niedern-Hanser Wirt
hab ma´s erste Bauerntheater kriagt
da Pletschacher Josef war der Gründer
von der Theaterzunft, da war er der Gsünder
viel könnt ma sagn, hat sich zua getragn
die letzten 50jahrl zum Guten und zum Schadn.
Aber oans was ma gwiß, vier san ma uns no
drei weibliche san´s und a männlicher Mo
d´Reichart Sanne, a Künstlerin a Schöne
und die gute Pletschacher Leni
Theres Riefer ja ohne die gings nie
und´s Mannsbild no ja, des bin i.
So geht´s dahin im menschlichen Leben
die Welt ist die Bühne, der Herrgott hat´s geb´n
und Menschen sind Schauspieler nach eigener Art
der Eine geht vorwärts, der Andere wart
bis er dro kimmt, dann spielt er seine Rolln holt schö
so gut wie er koa im Erdenleb´n.
Und wenn der Vorhang foit o je
es tut mir fast im Herz drin weh
daß alle diese Theatergründer
mit ihrem köstlichen Humor
so früh gerufen wurden 
hin am Himmelstor.
Drum ihr lieben Theaterbrüder
schaut vom Himmel nieder
hin und her auf diesen Abend heut
das uns alle gewiß erfreut.

1928

Pfingsten 1928 zieht die Theatergesellschaft um. Im Gasthof zum Hochfelln (Bräu) wird ein neuer Saal erbaut, der auch eine fest installierte Bühne erhält. Dieser Saal sollte für lange Jahre (bis 1994) die Heimat der „Theaterer“ sein. Als Ende des Jahres der ordnungsgemäß gewählte Vorstand Kaspar Berger die Wahl nicht annimmt, wird der in der Wahl unterlegene Max Speicher per Akklamation zum Vorstand ernannt. Als Mitglieder waren zu dieser Zeit  21 Personen eingetragen.

 

In der Versammlung vom 1. Januar 1929 lehnt der Vorstand Max Speicher, obwohl in seinem Amt bestätigt, dieses mit den Worten, er sei schon zu alt und habe schon lange genug gespielt, ab. Neuer Vorstand wird Albert Steiner. Max Speicher schlägt sich aber noch selbst vor, zum Ehrenmitglied ernannt zu werden. Die Mitglieder tun ihm den Gefallen. In Jahr 1929 stehen u.a. Aufführungen wie „Der Sittlichkeitsverein“,  „Die fromme Sennerin“ oder „In der Winterfrisch’n“ auf dem Programm. Letztgenanntes Stück stammt aus der Feder von Mari Schulz aus Bergen. Ferner feiert  man das 50jährige Bestehen des Vereins im Gasthof zur Post mit einem sogenannten Familienabend. Dazu verfasste da Gründungsmitglied Albert Maier folgendes Gedicht.

1932

Der Theaterverein tritt jedoch nicht nur in Bergen auf. Er bestätigt in den Jahren bis 1932 sein Können bei Gastspielen in Marquartstein, Vachendorf, Neukirchen und Inzell. In Inzell spielt man das Stück „D ’Sonnleitner Buam“. Es ist zu vermuten, dass sich dieses Stück auf den „Sonnleitner-Hof“ bei Bergen bezieht.

 

In der Versammlungsniederschrift vom 1. Januar 1933 ist wörtlich vermerkt:

„Bei Punkt Neuwahl gab es eine Debatte, da es der bisherige Vorstand (Albert Steiner) nicht mehr annehmen wollte. Es wurde der List Johann vorgeschlagen, der aber sofort ablehnte und so wurde der alte wieder einstimmig gewählt und nahm es auch an. Der Spielleiter (Ludwig Oberauer) lehnt auch ab, wollte es nicht mehr annehmen. Es wurde dann der Obermaier vorgeschlagen, der aber gleich ablehnte und so wurde es der alte wieder.“

 

Im Mitgliederverzeichnis dieser Versammlung ist der in Bergen allseits bekannte „Fanderl Wastl“ aufgeführt. Er gehörte in dieser Zeit ebenso zum „Inventar“ wie folgende Sachen:

• 1 Kasten
• 1 Kommode
• 1 Holzkoffer
• 1 Betschemel
• 1 Birkenkreuz
• 1 Muttergottesmarterl
• 1 Muttergottesstatue
• 1 Lindenbaumkulisse
• 1 Pumpbrunnen
• 1 Nachtwächterspieß
• 1 Petroleumofen
• 10 Gewehre
• 3 Säbel ohne Scheide
• 1 Säbel mit Scheide und Riemen
• 1 Schlangenstock
• 4 Stühle
• 1 Bauerntisch
• 1 Kanapee
• 1 Birkenbank

 

In der Folgezeit (bis 1935) stellte das Theater ihre Dienste der Gemeinschaft zur Verfügung. So wurde mehrmals unentgeltlich für die deutschen Arbeitsopfer, für Kraft durch Freude und für den deutschen Arbeitsdienst gespielt. Ein Teil der Spieler beteiligte sich auch an Wastl Fanderl’s Winterhilfswerk. In diesem Zusammenhang wird in Traunstein erstmals das Stück „Dem Basl sein Testament“ aufgeführt. Ein zugesagtes Auftreten mit dem gleichen Stück in München kam leider nicht zustande.


1936

Wastl Fanderl der durch seine
Sendung „Bayr. Bilder- und 
Notenbüchl“ über die Grenzen
Bayerns bekannt war, hat sich
über viele Jahre für den Theater-
verein Bergen engagiert.  Vor al-
lem als der Tourismus in Bergen
boomte, erkannte er die Zeichen
der Zeit. Er hat die revolutionäre
Idee, eine vereinsübergreifende
bunte Truppe auf Tournee zu
schicken, in die Wirklichkeit
umgesetzt.

Das es beim Theaterverein auch sehr leidenschaftlich zu ging, zeigt das Protokoll der Versammlung vom 5. Januar 1936 auf. Bei den durchgeführten Vorstandswahlen wollte der gewählte Kassier sein Amt nicht übernehmen. Die Gemüter erhitzten sich so, dass es zu einer heftigen Auseinandersetzung kam, was den Abbruch der Versammlung zur Folge hatte. Erst zwei Wochen danach waren wieder alle Wogen geglättet und es konnte ein neuer Kassier gewählt werden.

1938

Die Versammlung vom 1. Januar 1938 verlief wieder ganz harmonisch. Nachdem Mathias Obermaier als Vorstand bestätigt wurde, legte der Kassier Albert Steiner sein Amt als Kassier mit der Begründung nieder, er hätte „zu viele Kassen beisammen“. Seine Nachfolgerin wurde Maria Huber. Nachdem man noch übereingekommen war, dass man erst Mitglied im Theaterverein werden konnte, wenn man fünf mal mitgespielt hat, schloss der Abend mit Tanzvorführungen von „Brennei und Schobei“ und einem Boxkampf von Lang und Oberauer.



In den letzten Vorkriegsjahren wurde dann mehrmals im Jahr das Stück „Basei ihr Testament“ hauptsächlich für die Arbeitsopfer gespielt. Kurios hierbei: Das erste Basei wurde von einem Mann, dem „Schnaps Hias“ gespielt.

Das Stück war folgendermaßen immer gleich  besetzt:



Bärnlochner: Ludwig Oberauer

seine Tochter: Lislott März

Söllnerin: Maria Lackner

ihr Sohn: Albert Steiner

Gemeindeschreiber: Franz Dangl

s’Basei: Mathias Obermaier



Mit dem 5. August 1939 enden die  Aufzeichnungen des Theaters vor dem 2. Weltkrieg.